Sprachen

Luther vertraute auf das Wort der Bibel. Kein Wunder, dass er die Geschichte vom Turmbau zu Babel wörtlich nahm und den Ungläubigen mit ihrem Gleichnis drohte. Sie endet damit, dass Gott die Menschen für ihre Vermessenheit, mit dem Bauwerk den Himmel erreichen zu wollen, mit Sprachverwirrung strafte. Heute wissen wir, dass Babylon eine der fortschrittlichsten Städte im Altertum war und sich gerade deshalb Menschen aller Kulturkreise dort versammelten. Deren Sprachfähigkeit sorgte für ein friedliches und wirtschaftlich reiches Miteinander, dass bis dato seines Gleichen sucht. In diesem Fall irrte sich der Reformator also in Bezug auf die Wertschätzung und Verbreitung seiner Muttersprache war er dagegen ein starker Vorreiter. Mit seiner Übersetzung des Neuen Testamentes aus dem Griechischen ins Deutsche und der ersten Drucklegung im Jahr 1534 wurde der Grundstein für ein allgemein verständliches Deutsch gelegt. Sein Leben lang stritt er für Verständigung. Auch an diese Tradition knüpft der CAMPUS Wittenberg an.

Neben den Präsentationen der Geschichte der Bibelübersetzung und zur Verbreitung anderer Reformationsschriften gehören für den CAMPUS dazu auch die Hilfe beim Erlernen des Deutschen sowie die Pflege anderer Sprachen und der respektvolle Umgang mit fremden Kulturen.
Ganz konkret kann man in der Stadt, der Wiege des Neuhochdeutschen, den Spuren der von hier ausgegangenen Medienrevolution folgen. Die Ausstellungen in den reformationsgeschichtlichen Museen, dem Lutherhaus und dem Melanchthonhaus, erzählen anschaulich vom langen Weg bis zur Bibelübersetzung, deren Drucklegung bis hin zur stetig wachsenden Nachfrage nach dem Buch der Bücher, die mit der Forderung des Reformators, allgemeine Schulen für Jungen und Mädchen einzurichten, noch gefördert wurde. Spätestens an dieser Stelle trifft man in Wittenberg auf Luthers Freund und Mitstreiter, den Reformator und Pädagogen Philipp Melanchthon, der die Ansicht vertrat, dass „Bildung, Besonnenheit und Klugheit bessere Schutzwehre sind als Mauern“. Es ist sein Verdienst, dass zahlreiche Schulen gegründet, neue pädagogische Konzepte und vor allem Lehrbücher entwickelt wurden. Lesen und Schreiben sollten nicht länger Privilegien der oberen Klassen sein. Persönliche Quellenstudien und schriftliche Nachrichtenübermittlung wurden für breitere Schichten der Bevölkerung möglich. Nicht zuletzt deshalb erlangte die Wittenberger Universität Anfang des 16. Jahrhunderts Weltruhm, eine Stellung, die sie fast zwei Jahrhunderte lang erfolgreich verteidigte.
Diesen Bildungsidealen fühlt man sich in Wittenberg bis heute nicht nur museal verpflichtet. Das zeigt sich an vielen wissenschaftlichen Institutionen, die hier ihren Platz gefunden haben, einige davon auch an historischer Stelle, nämlich an der alten Wittenberger Universität Leucorea. Dort, wo einst Luther und Melanchthon lehrten, hat auch das Institut für deutsche Sprache und Kultur e.V. der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg seinen Sitz. Seit 1996 führt es differenzierte Sprachkurse und Kulturprogramme für ein internationales Publikum durch. Die Wissenschaftstradition und Kooperationen mit vielen anderen Universitäten im In- und Ausland garantieren den Zugang zu Sprache und Kultur auf höchstem Niveau.
Aber im CAMPUS Wittenberg wird nicht nur Deutsch gesprochen.
Weil zahlreiche Gäste aus aller Welt in die Lutherstadt kommen, werden viele Bildungsangebote in anderen Sprachen offeriert. Dazu gehören Stadt- und Museumsführungen in Englisch, Schwedisch, Italienisch und Französisch sowie Gottesdienste in Englisch, Sprachkurse der Volkshochschule, der Englisch-Stammtisch für Weltenbummler und gegen Heimweh sowie Veranstaltungen der Deutsch – Russländischen und der Deutsch – Ungarischen Gesellschaft und des Vereins Landsmannschaft der Deutschen aus Russland.
Weltoffenheit, Sprachfähigkeit und Respekt voreinander und im Umgang mit dem Fremden sind Maxime, die in Wittenberg nicht nur hochgehalten, sondern auch erfolgreich gelebt werden.

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