Wissenschaft

Als sich Anfang des 15. Jahrhunderts die sächsischen Kurfürsten aus dem Hause Wettin Wittenberg zu ihrer Residenz wählten, wurde der Grundstein für einen bedeutenden Ort der Bildung und Wissenschaft gelegt. Zu verdanken ist dies vor allem Kurfürst Friedrich dem Weisen, der unter anderem 1502 in Wittenberg die erste landesfürstliche Universität in Deutschland gründete und damit die Stadt zu einem bedeutenden geistigen Zentrum machte, weit über die deutschen Sprachgrenzen hinaus. Selbst Hamlet, Prinz von Dänemark, – weltbekannte Kopfgeburt von Sir William Shakespeare – ließ es sich bekanntlich nicht nehmen, in Wittenberg zu studieren. Gerade weil es heute keine universitäre Forschungskultur in der Stadt mehr gibt, knüpft der außeruniversitäre CAMPUS Wittenberg erfolgreich an die genannte Tradition an. Und jedermann kann davon partizipieren.

Der außeruniversitäre CAMPUS beherbergt eine Reihe hochschulnaher und weiterer wissenschaftlicher Einrichtungen. Die Gründe dafür liegen in Geschichte und Gegenwart. Im Jahr 1817 waren die Universitäten Wittenberg (gegründet 1502) und Halle (gegründet 1694) durch den preußischen König Wilhelm III. vereinigt worden; der Lehrbetrieb fand fortan in Halle statt. Wittenberg verblieben nur Erbe und Name. Erst 1994 wurde mit der Stiftung Leucorea ein Außenstandort der halleschen Universität in Wittenberg eröffnet.
Die Stiftung Leucorea wurde gegründet, um in Wittenberg, wo einst Martin Luther und Philipp Melanchthon lehrten, wieder akademisches Leben zu etablieren. Dieser Tradition verpflichtet, bereichern heute wissenschaftliche Einrichtungen unter dem Dach der Stiftung die Forschungslandschaft.
Zu ihnen gehören das Wittenberger Büro des Zentrums für USA-Studien der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und die Europäische Gesellschaft für Amerikastudien. Während sich das Zentrum für USA-Studien vorrangig der Erforschung und Vermittlung der amerikanischen Geschichte, Kultur, Politik und Gesellschaft widmet, hat sich die Gesellschaft für Amerikastudien der Vertiefung der wissenschaftlichen und kulturellen Beziehungen verschrieben.
Auch das Zentrum für Reformationsgeschichte und Lutherische Orthodoxie der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und die Luther-Gesellschaft e.V. agieren unter dem Dach der Leucorea. Das Zentrum bietet jährlich die Wittenberger Symposien zur Erforschung der Lutherischen Orthodoxie an. Die Luther-Gesellschaft vergibt alljährlich ein Stipendium zu einem reformationsgeschichtlichen Forschungsvorhaben.
Parallel zu diesen genannten Aktivitäten, bietet die Stiftung auch eigene wissenschaftliche Veranstaltungen zu verschiedenen Themen an.
Auch das Institut für Hochschulforschung (HoF) ist eng mit der Martin-Luther-Universität verbunden. Hier werden Strukturen und Prozesse des deutschen und der ausländischen Hochschulsysteme erforscht. Es ist das einzige Institut in Ostdeutschland, das sich mit diesem Thema beschäftigt.
Neben der Leucorea und dem HoF sind aber noch andere bedeutende Einrichtungen im Campus aktiv.
So bietet das Institut für deutsche Sprache und Kultur e.V. insbesondere für ausländische Studierende Kurse zur deutschen Sprache und Landeskunde an. Eine erfolgreiche Absolvierung solcher Sprachkurse ist die Voraussetzung dafür, um in Deutschland ein Hochschulstudium aufnehmen zu können.
Das Wittenberg-Zentrum für Globale Ethik (WZGE) befasst sich mit der Aufgabe, Entscheidungsträgern aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft Kompetenzen in ethischen Fragen zu vermitteln. Dabei verfolgt es die Leitidee einer gesellschaftlichen Kooperation zum wechselseitigen Vorteil.
Weitere Einrichtungen haben sich anderen wissenschaftlichen Aufgaben verschrieben. Die Erforschung der Reformation und deren Wirkungsgeschichte sind ein wichtiger Aufgabenbereich in der Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt. Im Augusteum, der früheren Universität, hat das Evangelische Predigerseminar seinen Sitz – die Ausbildungseinrichtung begleitet angehende Pfarrerinnen und Pfarrer sowie Gemeindepädagoginnen und Gemeindepädagogen auf ihrem Weg in den kirchlichen Dienst. Ebenso finden sich im CAMPUS Wittenberg wissenschaftlich bedeutsame Archive und Archivbibliotheken, darunter die Sammlungen der Stiftung Luthergedenkstätten Sachsen-Anhalt und des Evangelischen Predigerseminars, das Stadtkirchenarchiv sowie die Stadtgeschichtlichen Sammlungen. Zur jüngeren Zeitgeschichte arbeitet der Verein Pflug e. V., der ein alltagsgeschichtliches Archiv unterhält und das Wittenberger Haus der Geschichte betreibt.
In räumlicher Korrespondenz zum CAMPUS Wittenberg befinden sich das Evangelische Krankenhaus Paul Gerhardt Diakonie Krankenhaus und Pflege GmbH, das Akademisches Lehrkrankenhaus der Martin-Luther-Universität ist und eine Krankenpflegeschule unterhält, sowie das Agrochemische Institut Piesteritz (AIP), das als An-Institut der Martin-Luther-Universität das Zusammenwirken von Praktikern und Wissenschaftlern für die Entwicklung und den Einsatz agrochemischer Produkte unterstützt.

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